WolfVerdener Gespräch vom 12. Mai 2016

In diesem Frühling überlegen Pferdezüchter genau, ob sie ihre Stuten mit den jungen Fohlen auf etwas entferntere Weiden grasen lassen. Auch die Halter von Mutterkühen und Schafen machen sich Sorgen. Denn seit Januar wurden Wölfe vielfach im Bereich der Gemeinde Kirchlinteln gesichtet: Im Jagdrevier Luttum, in Kükenmoor, Klein-Linteln, Neddenaverbergen sowie zwischen Eitze und Weitzmühlen und an mehreren anderen Orten.

Nun ist bekannt, dort wo zunächst ein Wolf ist, sind im nächsten Jahr mehrere. So war es überall dort, wo Wölfe aufgetaucht sind, zum Beispiel im Heidekreis. Hunderte dieser Raubtiere durchstreifen inzwischen Norddeutschland. In der Lüneburger Heide ist die Wolfsdichte höher als im von Menschen dünn besiedelten Finnland!

Anfang März wurden in Jeddingen, nur vier Kilometer von unserer Gemeindegrenze entfernt, 14 Schafe von einem oder mehreren Wölfen getötet und 9 Tiere wurden schwer verletzt. Einige der Schafe waren tragend. Sie alle wurden durch Kehlbisse getötet.
Dann gab es eine Unterschriftenversammlung. Aus Solidarität für die getöteten Schafe und den Schäfer? Weit gefehlt. Denen, die Unterschriften sammelten, ging es nicht um die Opfer, sondern um den Wolf. Sie forderten, das Raubtier solle nicht verfolgt werden. So etwas können sich nur Aktivisten ausdenken, die im städtischen Umfeld leben.

Für die Menschen in den Wolfsgebieten ist die Lage dramatisch. „Wir hören nachts das ängstliche Blöken unserer Mutterkühe auf der Weide und die Wölfe überqueren ohne Scheu das Hofgelände", so eine Bäuerin in der Nähe von Soltau im Februar. Drei Mutterkühe wurden bereits von den Wölfen durch Kehlbisse getötet. Der Bauer hat zudem Angst um die kleine Enkeltochter. „Man weiß ja nie, wann die Wölfe das nächste Mal vorbeikommen".
Acht Wölfe leben in der Nähe dieses Hofes, acht Raubtiere als direkte Nachbarn.

Vom der zuständigen Landesregierung kam wenig oder keine Hilfe. Ebenso erging es dem Schäfer aus Jeddingen. Zunächst wollte ein hoher Verwaltungsbeamter verhindern, dass der Vorfall veröffentlicht wurde und später lehnte dann das Ministerium die Zahlung einer Entschädigung für die von Wölfen getöteten Schafe ab, weil angeblich der Zaun nicht hoch genug war. Nun ist bekannt, dass Wölfe auch 1,40 m hohe Zäune überwinden. Müssen also künftig alle Viehweiden wie Hochsicherheitstrakte eingezäunt werden? Wer soll das bezahlen? Und was passiert mit dem Grünland, das bisher im Sinne des Naturschutzes sehr extensiv durch Rinder, Schafe und Pferde genutzt wird, wenn diese Tierhalter aufgeben? „Wölfe verhindern Mutterkuhhaltung" berichtet im Februar das offizielle Mitteilungsblatt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Werden also im ‚Pferdeland Niedersachsen‘ künftig die Wölfe dominieren?

Gefährdet ist auch die Deichschäferei. Ein Deich ist lang und schmal. Da kommen Wölfe dicht an die Schafe heran, die dann panisch reagieren und den Zaun durchbrechen. Viele Deichschäfer werden aufgeben. Für den Hochwasserschutz ist die Beweidung der Deiche mit Schafen aber unerlässlich.

Was ist nun zu tun?
Mein Kreistagskollege Heinrich Luttmann hat bei der großen Veranstaltung der CDU Kirchlinteln in März zum Thema Wolf festgestellt: „Wir brauchen den Wolf hier nicht. Es ist Zeit das Experiment zu beenden. Der Preis ist zu hoch".
Wer ebenso denkt, ist eingeladen, bei einer Petition an den Landtag mitzumachen, die wir nach Pfingsten starten werden.

Wilhelm Hogrefe
Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion

5 Kommentare zu “Haustiere vor Wölfen schützen”

  1. Adrian_Mohr sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben indes nicht von Niedersachsen gesprochen, sondern von Norddeutschland. Vielleicht hätten wir uns da konkreter ausdrücken müssen und den norddeutschen Raum klarer definieren können. Zum Norden gehört auch Mecklenburg-Vorpommern, weite Teile Sachsen-Anhalts und Teile Brandenburgs. Insgesamt ist, da sind wir uns dann wohl einig, in den letzten 5 Jahren ein stetiger Populationsanstieg zu verzeichnen. Die Wolfspopulation in Norddeutschland steigt jährlich um rund 20 %. Insofern müssten wir auf Basis Ihrer Zahlen für Niedersachsen (60 adulte Wölfe) drei Jahre zuwarten, bis allein in unserem Bundesland absehbar entsprechende Populationszahlen vorzufinden sind.

  2. Wolf K. sagt:

    „HUNDERTE dieser Raubtiere durchstreifen inzwischen Norddeutschland. "

    Hab noch nie so einen Unsinn gelesen. In NDS gibt es 8 reproduzierende Rudel, sowie ein paar residente Paare und Einzeltiere. Alles in allem vielleicht 60 adulte Tiere (davon 16 reproduzierende) plus die diesjährigen Welpen.

    Vielleicht wäre es mal angebracht, sich Fachwissen anzueignen, bevor man wilde Räuberpistolen in die Welt setzt!

  3. Björn sagt:

    Eine sehr gute Idee. Unterstütze ich sofort.

  4. Barb Andersen sagt:

    Die artgerechte Weidetierhaltung ist mit dem Wolf nicht möglich!
    Deutschland ist zu dicht besiedelt für diese großen Raubtiere, der Schaden ist zu hoch.
    Als Hundehalter wird jede Gassirunde in der Natur zum Spießrutenlauf.

  5. Mit einer derartigen Petition werden sie Kirchlinteln endlich fest auf der Landkarte der Republik verankern. Ob dies indes zum Vorteil ihrer schönen Gemeinde sien wird wage ich zu bezweifeln. Außerdem hätte ich eine solche Initiative eher den Liberalen zugetraut, die ich zurecht noch niemals gewählt habe

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