Kreistagsabgeordneter Jens Richter im "Verdener Gespräch" vom 05.01.2012
Lieber Leserinnen und Leser,
das Jahr 2011 war ein ereignisreiches Jahr. Neben der Staatsschuldenkrise, dem politischen Umbruch in Nordafrika oder dem Amoklauf in Norwegen wurden wir im vergangenen Jahr leider auch wieder Zeugen vieler Naturkatastrophen. Neben Erdbeben, Überschwemmungen und Unwettern war sicherlich der Tsunami in Japan mit dem Atomunglück in Fukushima das folgenschwerste Ereignis. Aber auch scheinbar kleinere Unglücke wie zum Beispiel der Abbruch des Kreidefelsens auf Rügen an Weihnachten machen uns betroffen und stimmen uns nachdenklich, wenn Personen zu Schaden kommen. Eines haben alle Ereignisse gemeinsam: Es bedarf einer Vielzahl von Helfern, die mit ihrem uneigennützigen Einsatz darum kämpfen, weitere Schäden und Folgen aus den verschiedensten Schadensfällen abzuwenden.
Im Landkreis Verden sind wir im letzten Jahr von Großschadensereignissen weitgehend verschont geblieben. Aber auch das „sogenannte Alltagsgeschäft“ hat die Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und DLRG wieder erheblich gefordert. Über 14.700 Einsätze wurden über die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle für den Rettungsdienst und 960 für die Feuerwehr abgewickelt. Allen, die sich für das Allgemeinwohl eingesetzt und dem Schicksal Einzelner gewidmet haben, möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen und besonders das ehrenamtliche Engagement würdigen.
Um die Einsatzbedingungen zu verbessern, haben der Landkreis und die Kommunen viel investiert. Häufig nimmt der Landkreis Verden hierbei eine Vorreiterrolle ein. So auch mit dem Digitalfunk für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), der heute offiziell startet. Verden ist der erste Landkreis in Niedersachsen, der den flächendeckenden Betrieb aufnimmt und damit kommunikationstechnisch eine neues Zeitalter einläutet. Zusammen mit dem neuen Einsatzleitwagen für Großschadenslagen (ELW 2), der ebenfalls heute in Dienst gestellt wird, werden den Helfern Führungsinstrumente an die Hand gegeben, um auch den künftigen Herausforderungen gerecht zu werden. Mit dieser Umstellung geht aber auch ein sehr umfangreicher Schulungsbedarf einher. Allein im Bereich der Feuerwehr sind dies ca. 1.200 Mitglieder, die sich mit der neuen Technik vertraut machen müssen. Um eine praxisgerechte Ausbildung zu gewährleisten, ist mittelfristig u.a. am neuen Rettungszentrum Nord (BAB-Abfahrt Achim Nord) die Errichtung eines Brandübungscontainers vorgesehen, der die realitätsnahe Übung von Brandeinsätzen im Innenangriff ermöglichen soll.
Nachdem der Bedarf im Rettungsdienst für zwei zusätzliche Rettungswagen (RTW) im Nordkreis durch ein Gutachten bestätigt wurde, kann jetzt auch die dringend erforderliche Erweiterung der Umkleide- und Aufenthaltsräume an der Rettungswache vorgenommen werden. Entsprechende Mittel sind im Kreishaushalt eingeplant. Die zusätzlichen Rettungsmittel wurden erforderlich, weil das Einsatzaufkommen in den letzten fünf Jahren um 25% angestiegen ist. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt unter anderem im demografischen Wandel.
Insgesamt können wir feststellen, dass wir im Landkreis Verden im Bereich der Notfallversorgung und der Gefahrenabwehr gut aufgestellt sind. Im Bereich der freiwilligen Feuerwehren wird es in Zukunft aber darauf ankommen, tagsüber genügend Helfer bereitzustellen. Die Flexibilisierung am Arbeitsplatz und der demografische Wandel zeigen auch hier erste Spuren. Hier gilt es, langfristig Konzepte zu entwickeln, um eine ausreichende Einsatzstärke zu gewährleisten. Besonders Arbeitgeber möchte ich auffordern, Einsatzkräfte nach ihren Möglichkeiten für diese wichtige Aufgabe freizustellen. Interessierte möchte ich ermuntern, sich ehrenamtlich im Bereich der Gefahrenabwehr zu engagieren, sei es bei der Feuerwehr, dem Rettungsdienst oder dem THW.
Ihnen liebe Leserrinnen und Leser wünsche ich gesundes und erfolgreiches neues Jahr und hoffe, dass Hilfe möglichst wenig in Anspruch genommen werden muss.
Jens Richter
Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Brandschutz und Ordnungsangelegenheiten

