Mattfeldt soll die SPD Hochburg knacken

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Volles Haus bei Meyer-Biedern: 552 CDU-Mitglieder aus den Kreisen Verden und Osterholz kamen zur Urwahl nach Achim.

CDU-Kreisverbände Verden und Osterholz wählen Langwedels Bürgermeister zum Bundestagskandidaten

Von Ralf Michel

Achim. Am Ende war es eine klare Sache: 342 Stimmen für Andreas Mattfeldt, 210 für Marcus Seifert. Die CDU-Kreisverbände Verden und Osterholz haben sich am Montagabend per Urwahl entschieden: Mattfeldt wird bei der Bundestagswahl im September 2009 als Direktkandidat der CDU für den neu gebildeten Wahlkreis 35 (Verden/Osterholz) antreten.

"Nehmen Sie die Stimme, die Sie haben, ernst. Lassen Sie es heute Abend nicht nur ein Rechenspiel sein", hatte Marcus Seifert kurz vor dem Urnengang im Achimer Gasthaus Meyer-Bierden an die versammelten Christdemokraten appelliert. Doch angesichts der Zahlen des Abends drängt sich der Verdacht auf, dass die Entscheidung letztlich nicht mehr war als eine simple Rechnung: 552 stimmberechtigte CDU-Mitglieder nahmen an der Wahl teil, 370 davon kamen aus dem Kreisverband Verden, nur 182 aus Osterholz. Auch wenn Mattfeldt seine Hausmacht nicht geschlossen hinter sich vereinigen konnte, reichte es für ihn mit 342 Stimmen doch zu einem klaren Sieg.
Meyer-Bierden, kurz vor 20 Uhr: Der große Saal des Gasthauses platzt aus allen Nähten, aber immer noch drängen weitere CDU-Mitglieder nach. Andreas Mattfeldt begrüßt am Eingang jeden Besucher per Handschlag. Marcus Seifert, der schon vorne an der Bühne steht, wirkt dagegen fast ein wenig verloren. Keine Frage, für ihn ist ein Auswärtsspiel. Als schließlich jeder seinen Platz gefunden hat, füllt sich auch das Podium. Seifert sitzt zwischen dem Landtagsabgeordneten Axel Miesner und der Vorsitzenden des Kreisverbandes Osterholz, Brunhilde Rühl. Mattfeldt soll zwischen seinen Kreisvorsitzenden, Wilhelm Hogrefe, und den Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel Platz nehmen, legt aber erst noch letzte Hand im Saal an. An der Tischreihe rechts vom Podium wird ein Platz gesucht. Mattfeldt hat zwei Tische weiter einen freien Stuhl erspäht. "Ist der noch frei?", erkundigt sich der Kandidat, schnappt sich kurzerhand den Stuhl und balanciert ihn über Kopf zu dem anderen Tisch. Wer weiß, am Ende könnte jede einzelne Stimme zählen.

Wilhelm Hogrefe hat bereits den ersten Sieger ausgemacht – die CDU. "Während andere mit Delegierten im Hinterzimmer wählen, wählen wir unsere Kandidaten mit Hunderten von Mitgliedern öffentlich", begrüßt er das Auditorium mit einem Seitenhieb auf die SPD und bringt den Saal so auf Betriebstemperatur.
Dann haben die Kandidaten das Wort. Eine Viertelstunde ist ausgemacht, Andreas Mattfeldt beginnt. Natürlich würden ihn viele kennen nach 20 Jahren in der CDU, zeigt der Bürgermeister von Langwedel schon in seinem ersten Satz, dass auch er das mit den Seitenhieben beherrscht. Dieser zielt auf die vergleichsweise geringe politische Erfahrung seines Kontrahenten.
Mattfeldts Rede streift kurz die zu erwartenden Themen, von Finanzkrise und Globalisierung über Bildungspolitik und Kernkraft bis hin zum Lob für die hiesigen Landwirte. Stimmung kommt im Saal auf, als er SPD und Linke attackiert, mit Gejohle und Beifall wird sein Schlenker nach Hessen quittiert: "Ich habe mich wahnsinnig gefreut, das Ypsilanti anständig auf die Schnauze gefallen ist."
Marcus Seifert ("mich kennen auch schon ganz schön viele, auch wenn ich noch nicht 20 Jahre in der Politik bin"), spricht ebenfalls die Energiepolitik an und unter dem Stichwort "soziale Gerechtigkeit" auch die Linke. In der Bildungspolitik wagt der Kandidat aus Osterholz-Scharmbeck sich sogar ein wenig aus der Deckung. Keine Abkehr von dreigliedrigen Schulsystem, natürlich nicht. Aber vielleicht könne man ja mal über Alternativen nachdenken, die in Skandinavien Erfolg haben.
Beide Kandidaten erhalten viel Beifall, aber so wirklich von den Sitzen reißt keine der Reden das Publikum. Das will endlich abstimmen, verzichtet deshalb auch gerne auf die eigentlich vorgesehene Fragerunde.
Wenig später verkündet Wilhelm Hogrefe das Ergebnis. Seifert gratuliert dem "zielstrebigen und forschen jungen Mann" und der gibt in seinem Schlusswort dann gleich das nächste Ziel vor. "Die Bundestagswahl wird ein ganz schwieriges Ding", konstatiert Andreas Mattfeldt. Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik sei es der CDU gelungen, diesen Wahlkreis direkt zu gewinnen. Diese Aufgabe wolle er nun mit beiden Kreisverbänden angehen: "Ich brauche Euch alle!"

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